10.05.2016

Grenzkontrollen: Logistiker warnen vor wirtschaftlichen Schäden

Die Wiedereinführung von Grenzkontrollen an den Grenzen zwischen EU-Ländern stellt sowohl Logistikunternehmen als auch deren Kunden vor große Herausforderungen. Die damit verbunden Verzögerungen durch Grenzstaus verursachen täglich Kosten in Millionenhöhe. Hinzu kommen die noch nicht abschätzbaren Folgekosten für die Wirtschaft sowie das Schwinden der Standortvorteile des EU-Binnenmarktes.

 

Vor allem an den Grenzen zu Österreich und Frankreich stehen LKW wegen Grenzkontrollen immer wieder im Stau. Gleiches gilt für den LKW-Verkehr nach Großbritannien, in Südosteuropa und in Skandinavien. Transportunternehmen müssen oft stundenlange ungeplante Verzögerungen in Kauf nehmen, was hohe Kosten verursacht. EU-weit könnten laut Schätzungen der Europäischen Kommission Kosten von bis zu 18 Milliarden Euro pro Jahr entstehen.

 

 

Leidtragende sind neben Ihnen als Kunden und uns Logistikern vor allem die Fahrer: Durch die strengen gesetzlichen Vorschriften für Transportabläufe führt oft eine halb- oder einstündige Wartezeit dazu, dass Fahrer ungeplant eine Lenkzeitpause oder Ruhezeit einlegen müssen, um ihre vorgeschriebenen Lenkzeiten einhalten zu können. Dies löst mitunter einen Dominoeffekt aus und führt dazu, dass ein Lkw-Fahrer beispielweise die nächste Ladestelle nicht mehr erreicht und sich dadurch der komplette Transportverlauf verzögert.


Österreich: Wirtschaftskammer warnt

 

Für Österreich als Transitland birgt dies ein großes Risiko. Die Österreichische Wirtschaftskammer legte jüngst beunruhigende Zahlen vor: Allein an den deutsch-österreichischen Grenzübergängen bei Passau, Salzburg und Kufstein entstünden durch die von deutscher Seite durchgeführten Kontrollen täglich Kosten von bis zu 2,5 Millionen Euro. Nimmt man die Südgrenze zu Ungarn, Slowenien und Italien dazu, summiert sich der Schaden für die Branche auf 8,5 Millionen Euro pro Tag.

 

Der Grenzübergang am Brenner ist ein dabei besonderer Brennpunkt:  Als eine der zentralen Transitrouten auf dem Weg zu den Mittelmeer-Häfen fahren jährlich zwei Millionen Lastwagen über den Pass zwischen Tirol und Südtirol. Kontrollen und Staus würden hier täglich mehr als eine Million Euro an Kosten verursachen - indirekte Folgekosten nicht miteinberechnet. Deshalb warnte Italiens Verkehrsminister jüngst nicht nur vor den wirtschaftlichen Kosten, sondern auch vor dem Schaden für die EU als Ganzes, da der Brenner ein Symbol für die europäische Integration sei.

 

Aktuelle Verkehrsinformationen


  • Informationen zur aktuellen Verkehrslage finden Sie im ÖAMTC-Verkehrsservice:
    Link: http://www.oeamtc.at/
  • Aktuelle Grenzwartezeiten an Autobahngrenzübergängen nach Deutschland finden Sie auch bei der automatischen Reisezeitinfo der ASFINAG:
    Link: http://www.asfinag.at

 

Jetzt ist die Politik gefragt


Zugegeben - keine einfache Situation. Einerseits sind die Grenzkontrollen absolut nachvollziehbar. Andererseits ist die Reisefreiheit im Personen- und Warenverkehr eine der wichtigsten sozialen und wirtschaftlichen Errungenschaften der Europäischen Union. Durch dauerhafte Kontrollen entstünden der Wirtschaft hohe Kosten, die nicht nur Transportunternehmen treffen, sondern alle Unternehmen die Güter aus dem Ausland versenden und bekommen. Letztlich ist die Politik gefordert, rational zu handeln. Schlussendlich dürfen die LKW-Fahrer nicht zu den Leidtragenden einer Situation werden, die sie nicht selbst verschuldet haben. Deshalb sollte vor allem am Wochenende unangemessene Härte bei Kontrolle der erlaubten Lenk- und Schichtzeiten vermieden werden.


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