10.05.2016

Gefahrgut-Guide Teil 1: Einführung und Klassifizierung

Ein sicherer und vorschriftenkonformer Gefahrguttransport setzt bei allen Beteiligten viel Wissen und Verantwortungsbewusstsein voraus. Bei der Fülle an Gesetzen & Vorschriften fällt es dabei oft schwer, den Überblick über das korrekte Prozedere zu behalten. Mit unserer Gefahrgut-Serie möchten wir Ihnen die wichtigsten Schritte näher bringen, die Sie beim Gefahrguttransport beachten sollten.

 

Gefahrgut bedeutet nicht zwangsläufig „Rette sich wer kann!“, sondern mit diesem Ausdruck bezeichnet man Güter, von denen gewisse Gefahren ausgehen können, z.B. aufgrund ihrer chemischen und physikalischen Eigenschaften. Dies betrifft auch viele Produkte, die wir im Alltag verwenden. Hätten Sie gedacht, dass Ihr Deospray, Ihr Nagellack oder der Airbag in Ihrem Auto zum Gefahrgut zählen?

 

Um Ihnen einen kompakten Überblick über die wichtigsten Informationen zu geben, teilen wir diese in folgende Kapitel auf:

 

  • 1) Einführung und Klassifizierung
  • 2) Allgemeine Vorschriften / die wichtigsten Teilbereiche des ADR
  • 3) Beteiligte am Gefahrguttransport und ihre Pflichten
  • 4) Auswahl und Kennzeichnung der Verpackung
  • 5) Dokumentation (Beförderungspapier & Schriftliche Weisungen)
  • 6) Verladung inkl. Ladungssicherung
  • 7) Durchführung der Beförderung bzw. Erleichterungen (Freistellungen)
  • 8) Entladung / Empfang

 

Diese Teilbereiche werden wir in mehreren Beiträgen in unserem Newsletter bzw. auf unserer Website erklären. Wir beginnen in diesem Beitrag mit der Einführung und der Klassifizierung, die weiteren folgen innerhalb der nächsten Wochen.

 

Gefährlich oder doch nicht?


… das ist hier die Frage! Als gefährliche Güter bezeichnet man Stoffe und Gegenstände, von denen aufgrund ihrer physikalischen und chemischen Eigenschaften bestimmte Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen können. Die besonderen Vorschriften beim Gefahrgut­transport sollen dazu beitragen, dass Schäden bei der Beförderung dieser Güter vermieden werden.

 

Rechtsvorschriften für den Transport von Gefahrgut


Abhängig vom Verkehrsträger kommen folgende internationale Vorschriften zur Anwendung:

  • Beförderung auf der Straße:
    ADR - das "Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße"
  • Schienenverkehr:
    RID – die "Regelung zur internationalen Beförderung gefährlicher Güter im Schienenverkehr" (RID)
  • Binnenschifffahrt:
    ADNR – der "Accord européen relatif au transport international des marchandises dangereuses par voie de navigation intérieure au Rhin"
  • Internationale Seeschifffahrt:
    IMDG-Code – der "International Maritime Dangerous Goods Code"
  • Internationalen Luftverkehrs:
    Hier hat u.a. die ICAO (International Civil Aviation Organization) verschiedene "Technical Instructions" herausgegeben.

 

Ziel dieser internationalen Vorschriften ist eine einheitliche, grenzüberschreitende Regelung zur Erhöhung der Sicherheit im Bereich des Gefahrguttransports. Die meisten der internationalen Abkommen wurden zusätzlich in den jeweiligen Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt. In Österreich gelten in Bezug auf den Straßentransport beispielsweise das Gefahrgutbeförderungsgesetz (GGBG) sowie die Gefahrgutverordnung (GGVO). Weiters kommt ein eigener Mängelkatalog bei Vertößen gegen die Gefahrgutvorschriften sowie das Kraftfahrgesetz und die Straßenverkehrsordnung zum Tragen.

 

Beteiligte am Gefahrguttransport

 

Mit dem Transport von gefährlichen Gütern sind für die daran Beteiligten besondere Rechte und Pflichten verbunden. Bei der klassischen Beförderung von Versandstücken zählen zu diesen Beteiligten u.a.:

 

  • Absender
  • Verpacker
  • Verlader
  • Beförderer
  • Entlader
  • Empfänger

 

An alle Beteiligten am Gefahrguttransport werden besondere Anforderungen gestellt bzw. müssen diese über bestimmte Kenntnisse im Umgang mit gefährlichen Gütern verfügen. So hat zunächst der Absender von Gefahrgut den Frachtführer rechtzeitig über die genaue Art der Gefahr zu unterrichten, damit dieser entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen kann. Der Verpacker ist dafür verantwortlich, das Gefahrgut so zu verpacken, dass es einen Transport unbeschadet übersteht.

 

Der Fahrer eines Gefahrguttransportes muss darüber hinaus im Besitz einer ADR-Bescheinigung, dem sogenannten Gefahrgutführerschein, sein. Die ADR-Bescheinigung kann durch entsprechende Teilnahme an besonderen Schulungen mit anschließender Prüfung erworben werden. Sie ist zeitlich begrenzt gültig und kann durch die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen verlängert werden.

 

Klassifizierung


Bevor ein Gefahrgut auf Reisen gehen kann, muss es klassifiziert und identifiziert werden. Im Klartext heißt das: Sowohl Absender als auch Beförderer sind verpflichtet zu prüfen, ob es sich bei der versendeten Ware um Gefahrgut handelt ob es überhaupt versendet werden darf. Abhängig von der Art des Gefahrguts ist in weiterer Folge, was bei Transport, Verpackung und Kennzeichnung genau zu beachten ist.

Das ADR unterscheidet folgende Gefahrgutklassen:

 

  • Klasse 1: explosive Stoffe und Gegenstände mit Explosivstoff
  • Klasse 2: Gase (entzündbare, nicht entzündbare, giftige)
  • Klasse 3: entzündbare flüssige Stoffe
  • Klasse 4: entzündbare feste Stoffe
  • Klasse 5: entzündend wirkende Stoffe
  • Klasse 6: giftige Stoffe
  • Klasse 7: radioktive Stoffe
  • Klasse 8: ätzende Stoffe
  • Klasse 9: Verschiedene gefährliche Stoffe und Gegenstände

 

Wichtig: die Kennzeichnung. Abhängig von der Einordnung in die jeweilige Gefahrgutklasse bzw. der Versandart (als Packstück etc.) muss das zu transportierende Gut entsprechend gekennzeichnet und damit klar als Gefahrgut erkennbar sein.

 

In den kommenden Wochen werden wir Ihnen auf unserer Website und in unseren Newslettern die weiteren Bereiche des Gefahrguttransports sowie die Teilbereiche des ADR vorstellen.

 

Bei Fragen steht Ihnen unser Gefahrgutbeauftragter gerne zur Verfügung:

Dipl.-Ing. (FH) Bernd Fließer
T: +43 3135 501 - 810
M: +43 664 625 32 80
E: bernd.fliesser@joebstl.at

 


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